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Waldkatzen und Naturrassen

Die Sibirische Katze rechnet man zur Rassegruppe der Waldkatzen und diese wiederum zu den sogenannten Naturrassen.

  • Doch was meint man mit diesen Begriffen überhaupt?
  • und was zeichnet diese Rassen aus?
  • Welche Rassen rechnet man jeweils dazu?

Fangen wir hinten an:

Zu den Naturrassen werden gerechnet:

  1. Norwegische Waldkatze
  2. Amerikanische Waldkatze (Maine Coon)
  3. Sibirische Katze
  4. Türkische Angora
  5. Türkische Van

Von diesen werden dem Begriff Waldkatzen zugeordnet:

  1. Norwegische Waldkatze
  2. Amerikanische Waldkatze (Maine Coon)
  3. Sibirische Katze

Die Rassekatzen

Die ältesten überhaupt systematisch gezüchteten Katzen sind die sogenannten Angorakatzen (nicht zu 100% gleichzusetzen mit der Türkisch Angora, da der Begriff mehr oder weniger alle langhaarigen Katzen umfasste, manchmal auch einschränkend ausschließlich für weiße oder einfarbige sehr helle Exemplare gebraucht wurde.), deren Zucht in der heutigen Perserkatze ihre Fortführung fand. Auch Langhaarkatzen anderer Herkunftsregionen, die man anfangs noch versuchte, zu systematisieren, flossen mit ein, wie Katzen aus Khorassan (eine historische Region die Teile des heutigen Iran, Afghanistans, Turkmenistans und Usbekistans umfasst. Teile davon grenzten an das russische Reich. Usbekistan und Turkmenistan gehörten später sogar zur Sowjetunion.) und aus Russland..

Ende des 19. Jahrhunderts kam dann die aus Fernost stammende kurzhaarige Siamkatze hinzu, die wegen ihrer außergewöhnilchen Zeichnung und ihrer blauen Augen geschätzt.

Perser und Siam bildeten also den Ausgangspunkt der Rassekatzenzucht. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam dann die in Frankreich durch Kreuzung beider Rassen (mit evtl. weiteren Einflüssen anderer Katzen) herausgezüchtete Heilige Birma dazu.

All das spielte sich in Westeuropa und Amerika ab. Die Katzen der Ursprungsregionen gerieten zunächst in Vergessenheit.

Erst nach dem 2. Weltkrieg, vornehmlich in den 60ziger und 70ziger Jahren explodierte die Rassekatzenzucht regelrecht. Zufällig entdeckte Katzen mit besonderen Mutationen wurden zur Grundlage neuer Rassen, wobei Exemplare der etablierten Rassen mit eingekreuzt wurden. Immer neue Kunstrassen, mit entsprechend engem Genpool, wurden geschaffen.

Die Naturrassen

Zwar hatte es bereits in den 30ziger Jahren einzelne Züchter gegeben, die sich in Norwegen der Zucht der einheimischen langhaarigen Bauernhofkatzen widmeten und sogar einen Verein gegründet hatten. Möglicherweise waren genau diese Katzen gemeint, welche die Vorläuferorganisation der Fife (Confédération Internationale Féline, C.I.F) im Jahre 1939 als Borealis oder Boreali anerkannte. Der Name deutet darauf hin. (Borea ist Latein und bedeute Nord, also Nordische Katze; vergleiche aurora borealis = Nordlicht)

Auch die amerikanische Langhaarkatze aus Maine wurde bereits in den 30zigern gezüchtet. Doch der Krieg und auch die stetig zunehmende Beliebtheit der Perserkatze machten diese Bemühungen zunächst zunichte.

Doch irgendwann besann man sich auch darauf, dass es in verschiedenen Weltgegenden auch unter den dortigen Hauskatzen relativ häufig besonders schöne, weil langhaarige Katzen noch immer gab.

Sowohl in Amerika als auch in Norwegen formierten sich wieder Züchter und griffen die Zucht ihrer einheimischen langhaarigen Landschläge wieder auf. In den 70ziger Jahren wurden die Norwegische Waldkatze und auch die Maine Coon schließlich als Rasse anerkannt.

Auch das Interesse an der "alten" Angorakatze aus der Türkei erwachte im Westen und in Amerika neu, welche vornehmlich aus religiösen und patriotischen Gründen in der Türkei in Zoos noch immer gezüchtet wurde und auch als Haus- und Straßenkatze noch anzutreffen war und ist. Parallel zu ihr gewann auch die verwandte Katze vom Vansee Freunde.

Die Sibirische Katze (Russische Langhaarkatze) musste aufgrund der politischen Verhältnisse noch länger warten.(siehe Geschichte)

Allen diesen NATURRASSEN gemeinsam ist, dass sie regionalen Hauskatzenpopulationen entstammen, also Katzen, die nicht zielgerichtet durch den Menschen gezüchtet wurden, sondern irgendwann einfach da waren. Keine von ihnen bildete jedoch zu irgend einer Zeit eine in sich geschlossene Population. Immer waren sie lediglich langhaarige Einzeltiere in der Gesamtheit der in Ihrer Heimat verbreiteten Hauskatzen. Freilaufende Katzen achten bei der Partnerwahl eben nicht auf die Haarlänge. Ihr großes Plus gegenüber den "alten" Rassen und den neuen Kunstrassen ist die Tatsache, dass sich ihre Vorfahren über Jahrhunderte weitgehend auf sich selbst gestellt durchschlagen mussten, teilweise auch unter extremen Umweltbedingungen. Ihre Zuchtgeschichte dagegen ist erst kurz, der Genpool relativ groß. Daher verfügen Katzen dieser Naturrassen in der Regel über einen hohen Grad an Instinktsicherheit, allgemeiner Fitness, über eine robuste Konstitution und ein starkes Immunsystem.

All das kann natürlich nur bewahrt werden, wenn nicht die Fehler anderer Rassekatzenzuchten wiederholt werden, wenn der Genpool auch durch neue Foundation-Tiere erweitert wird, auf die Konzentration auf Modelinien verzichtet wird und vor allem auch, wenn die Zuchttiere robust gehalten werden. Das heißt insbesondere, dass ihnen auch im Winter mehrere Stunden täglich der Aufentalt im Freien ermöglicht wird und auch Katzenkinder nicht vor jedem Luftzug abgeschirmt werden. Catterys in reiner Wohnungshaltung über Generationen sind der Bewahrung dieser besonderen Merkmale nicht dienlich. In England, dem Mutterland der Katzenzucht ist es eine Selbverständlichkeit, dass eine Cattery, die diese Bezeichnung verdient, über Gegege und Ausläufe verfügt - im Übrigen für alle Rassen. Ebenso kontraproduktiv ist eine Aufzucht unter nahezu sterilen Bedingungen, wie sie in den USA häufig betrieben wird, denn ein starkes Imunsystem und eine robuste Konstitution brauchen neben der genetischen Anlage bei Mensch und Tier entsprechende Stimmulation durch Umweltreize und auf deutsch gesagt, schlicht Dreck, wie er eben im Freien normal ist.

 

Die Waldkatzen

Warum werden die Waldkatzen noch einmal gesondert unterschieden? Schlicht gesagt, weil bei ihren Züchtern von Beginn an Wunschdenken zur Legendenbildung beigetragen hat.

Auch ihr Äußeres spielt eine Rolle. Gerade die auch bei den Hauskatzen verbreiteten Black Tabbys, also schwarz-grau-braun getigerten Katzen erinnern in der Langhaarvariante an die Europäische Wildkatze, Felis silvestris silvestris, die ebenfalls "Waldkatze" genannt wird.
Wohl daher stammte schon früh die Idee, dass auch die langhaarigen Hauskatzen irgendwie wild in den Wäldern leben würden oder mal gelebt haben. Ganz besonders die Norwegerzüchter pflegen dieses Klischee. Selbst Sagen werden als "Beweis herangezogen". Soll ich aufzählen, was für Fabeltiere sich alles in unseren Sagen und Märchen tummeln?
Auch die oft zitierten Norwegischen Waldkatzen auf Wikingermünzen hat es nie gegeben. Die sogenannten Wikinger waren kurz gesagt räuberische Seefahrer, überwiegend norwegischer und dänischer Herkunft, niemals aber ein Volk mit festem Siedlungsgebiet oder gar einem Staat. Folgerichtig haben sie auch nie eigene Münzen geprägt.
>> Hendrik Mäkeler: Wikingerzeitlicher Geldumlauf im Ostseeraum - Neue Perspektiven, Kiel 2005
Die auf diversen Züchterhomepages gezeigte "Beweismünze" ist eine moderne Sammelmünze von der Ile of Man.

Mehrere Tatsachen sprechen gegen die Hypothese von den frei in den Wäldern schweifenden Coons, Norwegern oder Sibiriern und einer Verwandschaft mit Wildkatzen:

  • Alle Wildtiere von jagbarer Größe wurden und werden gejagt. Die "Waldkatzen" müssten also regelmäßig in Jagdberichten aufgetaucht sein.
  • Entsprechend müssten Pelze vorgewiesen werden können.
  • Eine messbare genetische Verwandschaft zu Felis Silvestris silvestris besteht,erwiesenermaßen wie bei allen anderen Hauskatzen, nicht.
  • Es gibt keine historische Gemälde oder Fotografien freilebender Waldkatzen, noch nicht mal in erlegter Form, obgleich doch jegliches jagbare Wildtier immer ein großes Thema der Malerei war.
  • Auch vom Verhalten her sind die "Waldkatzen" keine Einzelgänger, wie die echte Europäische Waldwildkatze geschweige, so extrem menschenscheu wie diese.
  • Genetisch gehören sie unzweifelhaft zu den Hauskatzen.
  • Wie ihre kurzhaarigen Brüder (und zwar im warsten Sinne des Wortes) sind sie Kulturfolger. Das heißt, dass sie selbst dann, wenn sie als Straycats vogelfrei, verwildert und unversorgt unterwegs sind, sich die Vorteile menschlicher Ansiedlungen zunutze machen, wie Abfälle als Nahrungsquelle, Schutz vor größeren Raubtieren, Schutz vor Witterungsextremen in Schuppen, leerstehenden Gebäuden u. Ähnlichem.

Alle drei Waldkatzen-Rassen- Vorfahren sind also im Grunde Bauernkatzen und Streuner. Bedenken muss man auch, dass selbst Dorkatzen häufig "keinem gehören" wenn man nachfragt und daher häufig auch verjagt werden.

Übrigens ist eine Verwandschaft zur Europäischen Wildkatze bei der Maine Coon und dem Norweger schon deshalb auszuschließen, weil es Felis silvestris silvestris in ihrer Heimat nie gegeben hat. Auch im Verbreitungsgebiet der Sibirischen Katze gibt es nur äußerst geringe Überschneidungen mit dem Lebensraum der Europäischen Wildkatze.

Tatsächlichlich gibt es in den Poulationen, denen sie entstammen mindestens ebenso viele ein- und zweifarbige Katzen ohne Tabby. Speziell bei den Sibirischen Katzen benutzte der Volksmund aber gerade für langhaarige Black-Tabbys vorrangig die Typbezeichnung "Sibirische Katze".

 

Die Unterschiede

Rassetypische Exemplare der drei Rassen unterscheiden sich heute deutlich von einander. Das war nicht immer so. Die Gründertiere der Rassen unterschieden sich kaum. Erst die Zucht auf die Festlegungen in den immer ausgefeilteren Rassestandards hin , führte dazu, dass ein einigermaßen geschulter Katzenfreund die Rassen zuordnen kann. Natürlich werden gerade auf die Unterschiede in der Zucht die Schwerpunkte gelegt. Auf einer Rassekatzenausstellung sollte es für ein geschultes Auge möglich sein, die Tiere ihrer Rasse zuzuordnen.

Wer lernen möchte, reinrassige Waldkatzen voneinander zu unterscheiden, klickt hier:

>>Die Rasseunterschiede

Könnte meine Findelkatze vielleicht eine Sibirische Katze sein?

Solche oder ähnliche Anfragen, per E-mail oder Telefon bekomme ich öfter.
In Deutschland ist man daran gewöhnt, dass alls normalen Hauskatzen kurzhaarig sind. Der Umkehrschluss heißt dann: Eine langhaarige Katze müsse deshalb eine Rassekatze sein - vielleicht gar eine Sibirische Katze? Kann man denn an irgendwelchen Merkmalen erkennen. ob so ein Tier eine Sibirische Katze ist?

Ganz kurz gesagt, man kann es nicht. Eine typvolle Norwegische Waldkatze ist mit einiger Sicherheit erkennbar, ebenso eine typvolle Maine Coon. Diese Rassen sind jeweils in ein, zwei Merkmalen inzwischen deutlich anders als "normale Katzen". Bei einem Mix aus Beidem dürfte es aber bereits schwierig werden.

Im Vergleich zu den anderen Waldkatzen ist die Sibirische Katze dagegen in jeder Beziehung "ganz normal." Sie unterscheidet sich vom rundköpfigen Typ der Hauskatze nur durch ihr langes Fell. Ganz klar, dass so mancher Mischling der anderen Langhaarigen untereinander sich diesem ganz normalen Katzentyp nährt. Um ein drastisches Beispiel zu nennen:

Norweger x Perser gibt rein äußerlich einen ganz passablen "Sibirier"; oder Ragdoll x Coon oder, oder.

Dazu kommt, dass Sibirische Katzen bei uns nicht so häufig sind, wie die anderen langhaarigen Rassen und Katzen aus geregelter Zucht doch eher selten im Tierheim oder auf der Straße landen.

Bei den irgendwie papierlos vermehrten Rassekatzenabkömmlingen überwiegen die Rassemixe bei weitem, weil der erste Beste Langhaarkater zum Decken genommen wird. Die "Deckanzeigen" in den Kastzenportalen sprechen da Bände. Es gibt ja noch viel mehr langhaarige Rassen, die mitgemischt haben können. Na und wenn durch Vermischung die extremen Merkmle mancher Rasse abgeschliffen sind, kommt eben eine ganz normale Katze mit langem Fell heraus, wie es die Sibirische Katze ist. Jedenfalls ist die Warscheinlichkeit, dass es sich bei einer Langhaarkatze unbekannter Herkunft um eine reinrassige Sibirische Katze handelt, doch recht gering, auch wenn sie so aussieht, als ob. Schließlich ist auch nicht jeder schwarzgelockte, braunäugige Jünglig ein Italiener.

Dies ist der Grund, weshalb ganz besonders Züchter Sibirischer Katzen vehement ablehnen, mit Katzen zu züchten, die in Deutschland aufgrund ihres Äußeren auf eine Ausstellung als "Sibirische Katze" eingeordnet wurden. Phänotyp ist eben nicht gleich Genotyp. Seriöse Vereine und Züchter erkennen "Foundation-Katzen" nur dann an, wenn sie tatsächlich russische Hauskatzen aus Russland sind und ein Russischer Verein sie als "Sibirische Katze" eingestuft hat.

Dann gibt es da noch die Leute, die in Norwegen eine langhaarige Katze von der Straße auflesen und für eine Sibirische Katze halten, weil die Norweger doch ganz anders aussehen. Tja, das "ganz anders aussehen" gilt vielleicht für die heutigen Tiere aus Zuchten, nicht aber für die Bauernhofkatzen vom Lande. Dagegen - Wie warscheinlich sind wohl Sibirische Katzen auf norwegischen Bauernhöfen?

Auch in den Ländern Osteuropas gibt es, genau wie in Norwegen oder Russland, langhaarige Hauskatzen.


Foto und Info: Alexander Huchler (vielen Dank!)

Diese Katze könnte gut und gerne als Sibirische Katze durchgehen. Doch sie ist eine Findelkatze aus Kroatien, einfach eine einheimische, langhaarige Hauskatze. In ganz Kroatien gibt es nur einen Züchter Sibirischer Katzen (die er sicher nicht auf der Straße aussetzt). Die Ähnlichkeit dagegen ist nicht verwunderlich. Ist doch die Sibirische Katze dem Ursprung nach ebenfalls eine langhaarige Hauskatze, nur eben aus Russland.


Erfahrungsgemäß beharren aber Besitzer eines solchen papierlosen Langhaar-Tieres gegen jede Argumentation auf "Sibirische Katze". Ich weiß, ich bin manchmal ein bischen gemein. Aber ist es nicht so, dass es letzten Endes doch attraktiver ist, eine "Rassekatze" zu besitzen als einen Mischling, auch dann, wenn man ja einfach nur einem hübschen, lieben Tier ein schönes Zuhause geben wollte und aus verschieden Gründen der Kauf einer Rassekatze beim Züchter (für teuer Geld) nie zur Debatte stand?

 

 


 

In allerneuester Zeit versuchen Züchter einer Neuzüchtung ihre Katzen in die Gruppe der Waldkatzen einzuordnen. Lesen Sie:

Warum die Deutsch Langhaar keine Waldkatze ist

In aller Kürze zusammengefasst:

  • weil Waldkatzen langhaarige Hauskatzen aus bestimmten Regionen sind, bei denen es die Langhaarmutation belegbar und nicht nur in wenigen Einzelexemplaren seit über 100 Jahren, vermutlich aber schon sehr viel länger gibt.
  • weil die allerersten Deutsch-Langhaar der 30ziger Jahre Rassekatzen waren, genauer gesagt Perserkatzen im alten Angora-Typ. Sie bekamen nur einen eigenen Namen
  • weil die Deutsch-Langhaar der Frau Aschemeier gänzlich unbekannter Herkunft waren
  • weil die Gründerkatzen der neuen Zuchtgemeinschaft moderne Rassekatzenmixe sind, gelegentlich mit einem Schuss Hauskatzenblut, denen man ihre Abkunft überwiegend ansieht

Möchten Sie es genauer wissen? Hier geht es weiter >>