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Herkunft und ZuchtgeschichteWeitere Informationen zur Zuchtgeschichte, auch speziell der Neva finden Sie auch unter Zuchtfragen. Über die Herkunft der Sibirischen Katze wird viel Unsinn verbreitet und selbst in sogenannten Fachzeitschriften immer wieder kolportiert, nicht zu reden von so mancher Züchterhomepage. So konnte man unlängst in der Zeitschrift OUR CATS lesen, dass die Sibirische Katze aus den "extrem kalten Regionen Sibiriens und des Kaukasus" stammen würde, "aus den kältesten Gebieten der Erde", wo sie "Temperaturen von unter -50 Grad aushalten" müssten. Die Pfoten seinen "wie bei anderen arktischen Tieren mit Haarbüscheln ausgestattet". Ich frage mich wirklich, ob Leute, die soetwas schreiben, sich tatsächlich mit der Biologie der Katzen und der Tierwelt der Arktis oder auch nur mit Geographie befasst haben. Offenbar nicht, denn sonst wüßten sie, das sich "die kältesten Regionen der Erde" in der Antarktis, also nahe des Südpols befinden. Wenn aber die kälteste bewohnte Region der Erde gemeint ist, so liegt diese in Nordost-Jakutien, welches nach russischem Verständnis nicht zu Sibirien sondern zum Fernen Osten gehört, während "Sibirien" hinter dem Ural beginnt und bis etwa 100km südöstlich des Baikalsees reicht. Die "arktischen" Regionen wiederum liegen nördlich des Polarkreises. Welche Tiere sind nun in der Arktis überlebensfähig?
Von den Säugetieren sind es z.B. : Eisbären, Polarwölfe
und -füchse, Moschusochsen, Rentiere, Polarhasen. Wildkatzen gehören
nicht zu den Bewohnern der Arktis. (und übrigens auch nicht Sibiriens)
Wer aufmerksam Reisereportagen schaut, wird auch bestätigen, dass
bei den Bewohnern der arktischen Regionen Russlands ( Jakuten, Ewenken)
Katzen nicht zu den Haustieren gehören. Tatsächlich gibt es
in den arktischen Gebieten nicht nur keine "Sibirischen Katzen"
sondern überhaupt keine Katzen. Viele Züchter dichten der Sibirischen Katze eine Verwandschaft
mit Wildkatzen, wie der kaukasischen Wildkatze an, oder behaupten gar,
in Sibirien gäbe es "endemische Wildkatzen", welche die
Vorfahren der Sibirischen Katze wären. Wildkatzen (Felis Silvetris)
gibt es in Restbeständen tatsächlich im Kaukasus und auch in
Teilen der Ukraine und im westlichen Teil Weißrusslands, welche
bekantlich nicht zu Sibirien gehören. Neue Forschungen zur Abstammung a l l e r Hauskatzen haben übrigens belegt, dass die Ahnen aller Hauskatzen aus dem Nahen Osten stammen. (http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/279805.html) Aber Russische Wintermärchen sind eben viel schöner als die ganz alltägliche Warheit. Die Warheit ist, dass die gewöhnliche russische Hauskatze
zur Gruppe der europäischen Hauskatze gehört, die vom europäischen
Teil Russlands und der Ukraine bis nach Sibirien verbreitet ist, wohin
sie mit den russischen Kolonisten eingewandert ist. (Nicht umgekehrt)
Unter diesen Hauskatzen ist das Langhaargen verbreitet und zwar ebenfalls
von Westrussland bis in die Regionen südöstlich des Ural.
Die Bezeichnung "Sibirische Katze" ist ursprünglich keine Rasse- oder Herkunftsbezeichnung. Das Langhaargen wird rezessiv vererbt, weshalb die kurzhaarigen Katzen (übrigens mindestens ebenso wetterfest) überall in der Überzahl sind und waren. Liegt manchmal ein langhaariges Kätzchen im Wurf, womöglich noch von besonders kräftiger Statur, so bezeichneten die Russen so ein Tier gern als "Sibirische Katze"; nicht etwa weil sie glaubten, ihre Vorfahren kämen daher, sondern weil sie mit ihrem Pelz eben so schön sibirisch ausschaut. Streng genommen gibt es also überhaupt keine Naturrasse "Sibirische Katze", sondern gelegentlich langhaarige Exemplare der russischen Hauskatze mit gewöhnlicher kurzhaariger Verwandtschaft.
Solche langhaarige Katzen waren besonders in den südlichen
Regionen, wie der Ukreine, aber auch in der südlichen Uralregion
und am Kaukasus schon sehr lange anzutreffen.
Auch in dem 1889 in England erschienenen Buch "OUR
CATS" von Harrison Weir ist ein Kapitel der russischen Langhaarkatze
gewidmet. Ein Beispiel, wie beliebig die langhaarigen Katzen früher
klassifiziert wurden, findet sich in dem in Berlin 1896 publizierten
Buch "ILLUSTRIERTES KATZENBUCH" von Jean Bungartz, wo es im
Kapitel ANGORAKATZEN heißt: "So sah
Radde (wer
ist das?) im Süden Sibiriens immer nur schöne graue oder
blaugraue Angoras, sogen. Chanchilla-Katzen. In dem Städtchen Tjumen,
etwas östlich vom Ostabhange des Ural, traf er die ersten an, weitere
kamen ihm in den russischen Ansiedlungen zu Gesicht, doch waren sie auch
da seltener wie die gewöhnlichen Hauskatzen." Auch heute noch erregen die schönen Katzen die Aufmerksamkeit
Reisender. Hier ein Beispiel aus Sibirien(die weiß-graue Katze): ...und hier in Perm (West-Sibirien): Viele weitere Fotos finden Sie unter Straßenkatzen.
Die Geburtsstunde der "Sibirische Katze" als eigenständige langhaarige Rassekatze schlug jedoch erst mit dem Beginn der planmäßigen Zucht. In Rußland begann die planmäßige Zucht der Sibirskaja
Koschka 1987 in St. Petersburg und von Anfang an war auch die "Newskaja
Maskaradnaja" wie sie in Rußland nach dem Fluß Neva heißt,
im Standard einbegriffen. (Lesen Sie dazu auch unter Zuchtfragen) THE
SIBERIAN CAT - Schon einige Jahre früher, etwa 1983/84 (die Quellen schwanken da)
tauchten die ersten Sibirischen Katzen in der DDR auf, allerdings nicht
aus Züchterhand und auch nicht aus Leningrad oder Moskau, sondern
mitgebracht von Bauarbeitern des FDJ-Jugendprojetes der sogenannten "Zweiten
Trasse" der Erdgasleitung in der Sowjetunion. Das gemeinsame Projekt
der RGW- Länder führte von Urengoi bis Ushgorod. Der erste Bauabschnitt
der FDJ befand sich in der Ukraine und der zweite in Russland südlich
von Moskau. Die Standorte in der Ukraine waren in Bar, Gorodenka, Bogorodtschany,
Wolowez, Stryi sowie in Iwano- Frankowsk, Gussjatin, Tolstoje und Beresowka.
Jefremow, Perwomaiski, Lipezk, Starojurewo, Serpuchow und Tula waren unter
anderem Standorte in Russland. Der dritte FDJ- Bauabschnitt im Ural wurde
erst ab 1984 in Angriff genommen.
Mit einigen dieser Trassenkatzen wurde in der DDR bereits ab 1985 (also
noch vor dem Zuchtbeginn im Mutterland) auch systematisch gezüchtet
und ab 1986 auch ausgestellt. Am 1.1.1987 wurde die Sibirische Katze
in der DDR offiziell als eigene Rasse anerkannt und ihr ein eigener Standard
zugewiesen, also noch bevor dies in Russland selbst der Fall war. Die
erste in einem deutschen Einige wenige Züchter gibt es noch, die ihren Bestand weitgehend auf diesen Trassenkatzen aufgebaut haben. Da diese Katzen im Gegensatz zu den meisten Gründerkatzen in Russland aus ländlichen Gegenden stammen, dürften sie weitgehen frei von Zufallseinkreuzungen von Rassekatzen sein. Damit sind sie züchterisch besonders wertvoll und es ist lohnend mit diesen Tieren, sowohl einen geschlossenen Elitestamm zu erhalten, als auch sie züchterisch vermehrt in der Gesamtzucht einzusetzen, um eingeflossenes Fremdblut sowohl bei den Nevas als auch bei den vollfarbigen Sibiriern durch Blutauffrischung zu verdrängen, zum Wohle der Gesamtpopulation. Etliche "sibirische Katzen brachten auch die Angehörigen der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte mit in die DDR und ließen sie bei ihrem Abzug zurück. Auf einer Katzenschau erzählte mir eine Besucherin, solche Katzen liefen auf einem Areal der Roten Armee herum, dass sie als ABM-Kraft mit aufräumen sollte. Leider schlugen alle Versuche der Frauen fehl, eine solche Katze einzufangen. Eine Bekannte von mir hatte ebenfalls eine langhaarige russische Findelkatze - ein wahres Prachtexemplar in black-tabby. Leider gingen diese Katzen wohl weitgehend einer planmäßigen Zucht verloren. Noch immer kommt es vor, dass Leute von einem Russlandaufentalt ein Kätzchen mitbringen, irgendwo aufgelesen und es für einen Norweger halten.
Ebenfalls 1987 kam mit einer russischen Auswanderer-Familie ein Zuchtpaar
Sibirischer Katzen in die BRD. Doch erst mit dem Besitzerwechsel von Tima
und Mussa in die Hände des Züchterehepaars Schultz 1989 wurde
der erste registrierte Wurf in der Bundesrepublik gezogen. Noch heute gibt es viele unregistrierte Sibirische Katzen, die als normale Hauskatzen leben, in allen Teilen der früheren Sowjetunion (siehe Fotos und Links weiter oben)- kaum ein Reisebericht, in dem der aufmerksame Zuschauer nicht eine sibirische Schönheit, gelegentlich sogar in Point, entdecken kann. Ich verweise noch einmal auf die Linksammlung zu Straßenkatzen. Mehr zur Geschichte der Neva finden Sie unter Zuchtfragen. Möchten Sie Züchter in Ihrer Nähe finden ?
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