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Käuferknigge, oder wie man sich bei Züchtern beliebt macht
Ein Wort voraus
Natürlich sind die folgenden Tipps nicht ganz ernst zu nehmen. Doch
leider ist keine der Verhaltensweisen frei erfunden. Du, lieber Leser,
wirst Dich natürlich hier nicht wiedererkennen, oder doch?
Erste Kontaktaufnahme
- Schreiben Sie eine E-mail, das geht am schnellsten. Kommen Sie bitte
gleich auf den Punkt:
"hi mal eine Frage wie teuer ist bei ihnen eine katze wollte
gerne ein kätzchen "
Nein, ich habe nichts weggelassen. Weder habe
ich einen Namen, noch bin ich auch nur eine Anrede wert. Vielleicht
ein Trost - der Absender scheint ebenfalls ohne Namen durch's Leben
gehen zu müssen. Womöglich gibt es ihn ja gar nicht wirklich,
denn seinem ersten und seinem letzten Satz fehlt ebenfalls das identitätsstiftende
ich.
Allerdings braucht es einiges an hellseherischen Fähigkeiten, um
überhaupt eine Struktur zu erahnen, denn alle drei rudimentären
Sätze verbergen ihre Satzeigenschaft durch geschickte Kleinschreibung
ihres Anfangs und verschwenden keinerlei Satzzeichen, um ihr Ende bekanntzugeben.
Ich warte wirklich auf den Tag an dem mich die erste Anfrage in minimalistisch
verkürzter Chatspache
erreicht.
oder noch kürzer:
"hallo ich wollte fragen ob man die katze
auch in raten zahlen kann?
Von: steffi(mausebacke87)
Wie Sie sehen, ist es weder nötig, Zeit mit der Suche nach den
Züchternamen, noch mit Anrede und Grußformel zu vergeuden.
Ein einsam und losgelöst dastehendes "Hallo" ist ja auch
eigentlich schon mehr, als Züchter erwarten kann. Züchter
sind eh nur an Ihrer Knete interessiert. Auch braucht man gar nicht
erst auf die Homepage zu gehen und Infos über den Wurf nachlesen.
Alles, was man wissen will, kann einem auch der Züchter schreiben,
inclusive Bilder schicken. Leider gibt es viel zu viele ungehobelte
Züchter, die es nicht mal für nötig halten, Ihnen überhaupt
zu antworten.
Wenn Sie doch nicht auf eine Anrede verzichten wollen, so macht es sich
gut, den Züchter gleich beim Vornamen zu nennen und zu dutzen.
Das schafft von vorn herrein eine vertrauensvolle Atmosphäre. Dabei
ist es gleich, ob der Züchter in jugendlichem Alter wie Sie selbst
ist, oder Ihre Großmutter sein könnte. Die dutzen Sie ja
schließlich auch. Manche schaffen zum Abschluss gerade noch ein
MfG. Eine vollständigen Grußformel wäre doch wirklich
Zeitverschwendung.
- Sie können sich aber auch gleich an's Telefon hängen.
Auch hier gilt das oben Gesagte.
- Es ist weder nötig, etwas über Ihre Lebensverhältnisse
oder Motivation mitzuteilen, noch sich überhaupt vorzustellen.
- Rufen Sie am besten zur üblichen Bürozeit an. Die Chancen,
dass der Züchter nicht zu Hause ist, erhöht sich dadurch ungemein.
Eine Kurznachricht auf den Anrufbeantworter: "wir interessieren
uns für Iher Kazen. Bitte rufen Sie uns unter der Nummer .......
zurück."
Das hilft, Ihere eigen Telefontechnung zu senken. Auch brauchen Sie
nicht den Überblick über bereits abtelefonierte Züchter
zu behalten.
Unverschämt und höchst ärgerlich
nur, dass fast nie ein Züchter Ihrer Aufforderung nachkommt. Aber
so trennt sich gleich die Spreu vom Weizen und Sie brauchen sich gar
nicht erst mit unkooperativen Züchtern herumärgern.
- Halten Sie sich auch nicht damit auf, erst nach dem Wohnort des Züchters
zu suchen.
Wenn Sie nach den dritten Telefonat feststellen,
dass Sie niemals vorhatten, 400 km blos wegen einer Katze zu fahren,
können Sie den Kontakt immer noch abbrechen. Einfach nicht wieder
melden!
- Aber vielleicht müssen Sie das ja gar nicht.
Es gibt eine Menge Züchter, die ihnen Ihre Katze auch vom anderen
Ende der Republik frei Haus und kostenlos liefern. So haben Sie viel
größere Auswahl. Sie können so telefonisch die billigste
Katze herausfiltern.
Ist der Züchter dazu nicht bereit, streichen Sie ihn gleich von
Ihrer Liste. Solche Geldschneider, die für die gefahrenen 2x500km
ihre Benzinkosten von Ihnen erstatten haben wollen, sollten Sie nicht
unterstützen.
- Es ist ihnen auch nicht zuzumuten, sich bereits vor der ersten Kontaktaufnahme
klar zu werden, ob Sie überhaupt eine Katze halten wollen oder
können, ob Ihr Freund bereit ist, Ihnen den Kauf einer Rassekatze
zu finanzieren, oder welche Rasse Sie eigentlich wollen. Man fragt ja
nur ganz unverbindlich.
- Warum sollen Sie sich die Mühe machen, die Rassebeschreibungen
auf den Homepages zu lesen oder gar erst einmal einige Katzenschauen
zu besuchen, um herauszufinden, welche Rasse Ihnen gefällt? Die
Züchter sind ja meist auch auskunftfreudig.
Besuch beim Züchter
- Am Besten, Sie stellen gleich bei der ersten Kontaktaufnahme einen
Besuch in Aussicht und reservieren Ihre Katze sofort fest.
- Wenn Sie dann doch keine Lust haben, lieber weitersuchen möchten
oder kurzentschlossen beim günstigeren Angebot für eine papierlose
"Rassekatze" zugegriffen haben, fahren Sie eben nicht.
- Absagen ist unnötig. Schließlich wollte ja der Züchter
etwas von Ihnen (Geschäft machen). Der ist selber Schuld, wenn
er tatsächlich auf Sie gewartet hat.
Ein Züchter ist doch einem Zoogeschäft vergleichbar, mit dem
Unterschied, dass es rund um die Uhr, auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet
zu sein hat. Schließlich ist der Kunde König.
- Nicht die Wunschfarbe im Angebot? Macht nichts. Besuchen Sie den Züchter
trotzdem. So ein Sonntagnachmittag bei Kaffee und Kuchen, Kätzchenstreicheln
und netten Gesprächen ist immer ein schöner Ausflug , auch
wenn Sie keine Kaufabsichten haben. Auch für den Züchter ist
Ihr nachmittagfüllender Besuch sicherlich eine schöne Freizeitbeschäftigung.
PS: Glücklicherweise lernt man als Züchter sehr schnell, die
Spreu vom Weizen zu trennen und löscht solche Mail wie die oben unbeantwortet,
erfragt Name und Adresse von ernsthaften Interessenten und empfängt
tatsächlich nur noch echte Katzenfreunde, mit denen sich nett fachsimpeln
läßt.
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